Konzeption

Das Heidelberger Konzept für die angeleitete Fallsupervision von Mediation basiert auf zwei Grundlagen:


  1. einmal gehen wir von der Parallelität der Zielsetzungen und der Abläufe zwischen Mediation und Supervision aus, also von der Übertragbarkeit des problemlösungs- und handlungsorientierten Ansatzes der Mediation auf das Vorgehen in der Supervision („supervision meets mediation“). Dieses Modell hat John Haynes in einem seiner ersten Supervisionskurse 1991 in Heidelberg vorgestellt, später wurde dieser Ansatz auch „mediationsanaloge“ Supervision genannt. Das heißt wir gehen auch hier von einem Phasenmodell aus, wobei die Methoden vielfältiger sind als in der Mediation. Das Mediantensystem Impulsgeber und bleibt im Hintergrund in der supervisorischen Arbeit, der Fokus wird auf die Komplexität im System des Mediators gelegt.
  2. Die zweite Grundlage ist die Nutzung des Spannungsverhältnisses zwischen der „Innensicht“ des Teilnehmers und der "Außensicht" des Supervisors / der Gruppe.

 

Supervision ist in diesem Zusammenhang ein auf einen konkreten Fall bezogener kreativer Prozess, der Veränderungen anstoßen soll. Die beste Supervision sollte möglichst gleichzeitig auf drei Ebenen wirken: das konkrete eigene berufliche Vorgehen verbessern (Hilfen geben: wie kann ich etwas verbessern?), das eigene Handlungsspektrum erweitern (was könnte ich sonst noch oder anderes machen?) und schließlich ein Problem in neuem Licht sehen können (daran habe ich noch gar nicht gedacht!). Nach Möglichkeit sollten alle drei Prozesse in Gang gesetzt werden. Die Supervision soll den Teilnehmern Hilfe und Unterstützung in schwierigen Phasen des Mediationsprozesses geben. Zugleich kann sie der Anpassung der Mediation an die Bedingungen der eigenen Mediationspraxis und an die speziellen eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten ebenso dienen wie dem Erkennen eigener Schwierigkeiten und Grenzen in der Mediation (z.B. auch bei Mediationsabbrüchen).

 

In Gruppensupervision gilt: Für Supervisionsteilnehmer, die selbst keinen Fall einbringen, ist die Supervision eine hervorragende Gelegenheit zum stellvertretenden Kennenlernen der Vielfältigkeit der Mediationspraxis, ihrer Schwierigkeiten und Lösungsmöglichkeiten.

 

Einzelsupervision bietet gegenüber der Gruppensupervision den Vorteil, persönliche Anteile im Zusammenhang mit einem Mediationsfall biografische Dispositionen, Blockaden oder aktuelle persönliche Lebensthemen im geschützten Rahmen zu besprechen. Der/die Supervisor/-in kann sich darin vollständig auf die/den Einzelsupervisandin/-en fokussieren und ist frei davon, das Gruppengeschehen mit im Blick zu behalten und zu steuern. Aus Sicht der/des Einzelsupervisandin/-en können Themen die z.B. schambehaftet sind, offen angesprochen werden, ohne dass die Wirkung auf die Gruppenmitglieder mitbedacht werden müssen. Für die Selbstreflexion kann sich die/der Einzelsupervisand/-in voll und ganz auf die Beziehung zwischen Supervisor*in und ihr/ihm einlassen und darauf konzentrieren.

 

Die Einzelsupervision ist bezüglich der Terminkoordination zwischen Supervisor*in und Einzelsupervisand*in zudem eine flexiblere Form der Supervision, da der Umfang in der Regel geringer (zwischen ein und zwei Stunden) und Termine zeitnaher zum Auftreten des Reflexionsbedarfes vereinbart werden können.

 

Konflikte aus den Mediationsfällen aktualisieren immer wieder unsere persönliche Erfahrung und unseren persönlichen Umgang mit Konflikten. Dies erfordert kontinuierliche und regelmäßige Selbstreflexion.
Die Einzelsupervision und die Gruppensupervision sind zwei verschiedene Formate, die sich im Sinne der Nutzung und Erzeugung von Vielfalt sehr produktiv ergänzen.

 

Sowohl die Gruppen-, wie die Einzelsupervision soll vom Supervisand vorbereitet werden. Zur Vorbereitung und Durchführung der Fallbesprechungen in der Supervision haben wir eine Reihe von Arbeitsmaterialien entwickelt, mit denen der Supervisionsprozess strukturiert wird, sie erleichtern den TeilnehmerInnen die Vor- und Nachbereitung. Generell sehen wir in der Supervision der mediatorischen Praxis einen wichtigen Beitrag zur praxisbezogenen Ausbildung, zur Entwicklung von Kooperationsformen zwischen Mediatoren sowie letztlich zur Aufrechterhaltung und Verbesserung der Qualität der Mediationspraxis (Qualitätssicherung und –management der Mediation).