HIM-lisches Jubiläum

 

 

 

Einen Video Rückblick auf das Fest finden Sie hier.

 

 

 

Peter Emrich, Mediator BAFM, der die Ausbildung am Heidelberger Institut 2015 abgeschlossen hat, schrieb folgenden Rückblick auf die Feier - herzlichen Dank dafür:

 


20 Jahre Heidelberger Institut für Mediation


„Ein HIM-lisches Jubiläum“ 


Eigentlich war es wie immer. Die Stimmung hatte etwas von einer gespannten Heiterkeit und jeder der Anwesenden war voller Erwartung. Nur waren mehr Menschen da als sonst bei Seminaren und Veranstaltungen des Heidelberger Institutes für Mediation. Manche kannten sich von Kursen, Seminaren und Workshops, andere waren sich noch nicht begegnet. Aber alle hatten eines gemeinsam.  Sie waren zusammengekommen, um mit Lis Ripke und Reiner Bastine das 20-jährige Jubiläum des HIM zu feiern.


Es war der 07.11.2015 um 15.00 Uhr. Lis und Reiner baten die ca. 120 geladenen Gäste nach einem Willkommenstrunk zu einem Symposium mit Beiträgen in einen Vortragsraum in der Bergheimer Straße.


Die Luft knisterte voller Erwartung.

 


Als Lis und Reiner nebeneinander standen und ihre Gäste begrüßten, kam sicherlich nicht nur bei mir sofort das vertraute Gefühl der freudigen Erwartung und der neugierigen Spannung auf, das ich schon so oft zu Beginn von Kursen, Seminaren und Workshops gehabt hatte.


Eigentlich fehlte nur noch, dass Lis die Frage stellte, wie wir uns auf einer Skala von 1 – 10 fühlen würden. Diese Frage blieb aus. Sie war auch nicht notwendig, weil es Lis und Reiner mit wenigen Zauberworten gelungen war, eine heitere Energie zum Schwingen und unsere Erinnerungen zum Klingen zu bringen.


Einige Teilnehmer waren schon beim ersten Grundlagenkurs im Jahr 1995 dabei gewesen, den damals Prof. Jack Himmelstein und Dr. Gary Friedman geleitet hatten.


Beide hatten 1981 das „Center for Mediation in Law“ in New York und San Francisco, USA gegründet und seit 1990 auch Mediations- Ausbildungen in Deutschland angeboten.


Zusammen mit John Haynes - Präsident der Academy of Familiy Mediators und Mitbegründer des World Mediation Forums – einem der Pioniere der Mediation, hatten sie als Lehrer von Lis und Reiner entscheidenden Einfluss darauf, dass die Mediation auch in Heidelberg heimisch werden konnte.


Reiners Frage, ob es Lis wohl gelingen werde, an diesem Nachmittag die Führung in andere Hände zu legen, führte – nicht nur bei Lis - zu Heiterkeit und eröffnete den Moderatoren Frank Glowitz und Maria Holm die Möglichkeit, die Festredner mit ihrem jeweiligen Thema in sehr eloquenter und unterhaltsamer Weise kurz vorzustellen und herzlich zu begrüßen.


Prof Dr. Reiner Bastine eröffnete die Vortragsreihe mit seinem Beitrag: „State of Mind – ein  Psychogramm der Mediation“. Wie schon so oft in Seminaren und Kursen gelang es Reiner Bastine, bei den Teilnehmern gespannte Aufmerksamkeit durch kompetente Darlegungen und Entwicklungen zu erzeugen und leicht verdaulich mit Humor darzubieten.


„Manche meinen, mit Mediation könne man die Welt verbessern. Ich halte es mit Ernst Jandl: Welch ein Irrtum“, war sein Eingangssatz, dem sich die Frage anschloss: „ Ist die Mediation denn nun wahr, gut oder schön?“


Die Unterscheidung von arabesken und akribischen Mediationen, von einer leichtfüßig- kreativen Mediationspraxis bis hin zu einem mitleidvollen Mediieren ließ ihn zu dem Schluss kommen, dass es für eine gesunde Psychobilanz der Mediation sicherlich das Beste wäre, wenn von allen Erscheinungsformen eine gute Mischung bereit gehalten würde. 


Prof. Dr. Dr. Duss von Werdt präsentierte uns in seinem Vortrag „ Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden für Trottel gehalten“, seine Sichtweise der aus den Fugen geratenen Welt, die in Scherben zerbrochen ist. Er präsentierte uns 8 solcher Scherben mit den unterschiedlichsten Themen, die alle zum Nachdenken und Nachspüren anregten.


In eindrucksvoller und bildhafter Weise gelang es Duss von Werth, die Zerrissenheit der Welt einerseits und auch die Chancen jedes Einzelnen andererseits aufzuzeigen, mit seinem eigenen Beitrag dort, wo er wirkt, mit zu helfen, die Scherben wieder zusammen zu setzen.


Die sehr beeindruckende Schilderung der „Menschlichkeit in der Unmenschlichkeit“ legte Zeugnis davon ab, welche Kraft einem Menschen erwächst, wenn er in der Lage ist, Menschlichkeit in dem Mitmenschen auch dann zu erkennen und Kontakt mit ihr aufzunehmen, wenn dessen Handlungsweise  unmenschlich ist.   


„Schläft ein Lied in allen Dingen, die da träumen fort und fort


Und die Welt hebt an zu singen, triffst Du nur das Zauberwort.“


Bei ihrem Festbeitrag erinnerte Jutta Lack – Strecker an dieses wunderbare Gedicht von Joseph von Eichendorff und führte mit ihren „Ritualen – ein interaktiver Festbeitrag“ die Gratulationsgäste in eine andere Welt, in die Welt ihrer eigenen Erinnerungen, Phantasien und Zukunftsvorstellungen.


Dr. Günter Fröhlich stellte „ Philosophische  Überlegungen zum Herzstück der Mediation an, indem er das „Interesse“ und das „Verstehen“ aus den unterschiedlichsten Perspektiven beleuchtete und interessante Aspekte einbrachte, die für die Praktiker unter den Teilnehmern ein bisschen etwas von einem  vorbeifahrenden Zug hatten. Man konnte in jedes einzelne Fenster des langsam vorbeigleitenden Zuges schauen und für einen kurzen Moment Einzelheiten der Darstellung erkennen. Erfassen und behalten, beleuchten und den Gehalt der eigenen Wahrnehmung wiedergeben, dürfte den wenigsten Teilnehmern möglich sein.


Doch eines bleibt:


Ebenso wie in der Praxis ist es auch aus philosophischer Sicht einfach zu verstehen, dass das „Verstehen“ schwierig ist und es nur mit einem hohen Maß an eigenem „Interesse“ – mit Empathie und Akzeptanz -  möglich ist, den Mitmenschen in seinen Interessen und Bedürfnissen zu erfassen.


Der Notar und Rechtsanwalt Roman Manser offenbarte zur Verwunderung manchen Teilnehmers mit seinem Beitrag „ Mediation und helvetische Eigenheiten“, dass die Schweizer wegen ihrer vom Wiener Kongress 1815 verordneten „ immerwährenden bewaffneten Neutralität“ und der damals aufgehobenen napoleanischen Mediationsakte nach ihrem Selbstverständnis Mediation nicht wirklich brauchen, da sie es nicht gelernt haben, zu verhandeln, um ihre Interessen durchzusetzen, so dass Sie dafür bis heute auch keine wirkliche Notwendigkeit sehen.


Prof. Dr. Joachim Wambsganß beendete nach einer stärkenden Pause das Symposium mit seinem Vortrag: „ Sonne, Mond und Sterne: Auf der Suche nach der zweiten Erde – ein HIM-lischer Vortrag“, indem er die Gedanken in andere Dimensionen entführte und von Planeten und Sternen und deren Entfernungen, von Möglichkeiten außerirdischen Lebens und davon sprach, dass es ohnehin wohl kaum möglich sein dürfte, mit außerirdischem Leben in Kontakt zu treten, weil nun einmal unsere Lebenszeit und vielleicht sogar die Lebenszeit der Erde zu kurz sein dürfte, um in Raum und Zeit eine Begegnung zu ermöglichen.


Der Satz einer uralten Frau kurz vor ihrem Tod: „das Leben ist kurz, auch wenn es sehr lang gewesen ist“, ist sicherlich in seiner Einfachheit überzeugend und zeigt zumindest auf, dass wir uns nicht wirklich mediativ auf das Zusammentreffen mit anderen Lebewesen vorbereiten müssen.


Und dann war es Zeit, Luft zu schnappen, um sich Kondition und Ausdauer für das fröhliche Tanz- und Singfest zu holen. Und es war klasse!


Lis hatte mit der Live Band Huub Dutch Duo zwei Musiker engagiert, die in ihrer Einfachheit, in ihrer Musik und ihrer Lebensfreude einzigartig sangen und aufspielten, ihr Publikum mitnahmen und doch Raum für Gespräche und Unterhaltung ließen.


Maria Holm und Frank Glowitz boten mit der Melodie des wohl bekanntesten Songs der Toten Hosen „Tage wie diese“ eine musikalische Laudatio für das HIM und für Lis und Reiner, die beide den klingenden Lobgesang– Lis mit einer ihrer Enkelinnen auf dem Schoß – ersichtlich genossen.


Peter Emrich alias Reich – Ranicki überbrachte dem HIM die Glückwünsche des himmlischen Institutes für Mediation, dessen Protagonisten mit ihrer Ausbildung noch ganz  am Anfang stehen, weshalb sie um Erlaubnis baten, sich die besonderen Fähigkeiten von Lis ohne Rücksicht auf Raum und Zeit aneignen zu dürfen. 


Die wichtigste Erkenntnis ist und bleibt, dass Lis als Königin der Paraphrase mit viel Arbeit, Geduld, Gelassenheit, Humor und Lebensfreude, aber auch mit Empathie für die Medianten und Kongruenz als Mediatorin, Mutter und Großmutter die Mediation vorangebracht hatte und noch weiter voranbringen wird, weil sie halt „e echtes pälzer Mädel iss.“


Den Abschluss der Laudatio hatte Dagmar Lägler, die leider selbst nicht anwesend sein konnte, vorbereitet. Mit der Tatort – Melodie begann eine Videoaufnahme, bei der Lis bei einem Interview glaubhaft versicherte, zu keinem Zeitpunkt die Absicht gehabt zu haben, Mediation zu lehren.


Befragungen von Mediatoren, die ihre Ausbildung bei Lis erfolgreich abgeschlossen haben und Weggefährten, die Lis seit Jahren kennen und ihre besonderen menschlichen und mediatorischen Fähigkeiten schätzen und besonders von ihrer Herzenswärme angetan sind, ließen es sich nicht nehmen, jeder auf seine Weise Lis zu gratulieren.


Und dann wurde getanzt und getanzt und getanzt.


Es war ein rundum schönes Fest. Danke!!!


Peter Emrich

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